08.12.2019 H1: Weilheim leistet sich zu viele Fehler

Nicht einmal die schlimmste Demütigung ersparte man den Weilheimer Handballern. Zwei Minuten vor dem Ende, die Niederlage gegen Immenstadt stand mehr oder weniger fest, spurtete Simon Weigl über das ganze Feld und warf den Ball ins Tor. Das war deshalb so deprimierend, weil Weigl normalerweise das Immenstädter Tor hütet und in den 58 Minuten zuvor kaum Bälle hatte passieren lassen. Nico Beinlich, der Aushilfstrainer beim TSV, sagte nach dem 21:26 (11:11): „Zuzusehen, wie das eigene Team verliert, ist echt schlimm.“

Er hätte so gern geholfen. Nur ging das nicht, weil er sich die ganze Woche über krank gemeldet hatte. Beinlich fühlte sich am Spieltag körperlich nicht in der Lage, wieder Handball zu spielen. Tatsächlich hätte Weilheim vor allem einen fitten Beinlich benötigt. Als Rückraum-Mitte-Spieler lenkt er den Angriff. Ein solcher Spielmacher ging ab, um das clevere Defensiv-Konstrukt der Allgäuer zu überwinden. Alt, aber wuchtig kamen die Gäste daher. Ihre Geschwindigkeitsdefizite glichen sie mit Köpfchen sowie Masse aus. So viel wussten die Weilheimer zwar schon vorher und legten sich einen Plan zurecht. Nur hielten sie sich nicht daran. Breit wollten sie sich aufstellen, die langen Kerle des TVI müde passen. „Hat nicht geklappt“, räumte Beinlich ein.

Die Abwehr hielt Weilheim im Spiel bis zu dem Punkt, als offensiv gar nichts mehr funktionierte. Im Positionsangriff rannten die Gastgeber immer wieder ihren Bewachern in die Arme. Die Rückraumschützen Maximilian Osthöver, Felix Becker, Lukas Schwendele und Phillip Bauer warfen – und warfen vor allem Torwart Weigl warm. „Der ist stark“, lobte auch Beinlich. „Aber unser Rückraum war auch sehr ungefährlich.“ Beinlich und sein Partner Markus Haugg probierten nahezu jede Option aus in der Hoffnung, wenigstens eine würde funktionieren.

Als letztes Mittel griffen die Coaches zu einer offensiven Verteidigung mit drei vorgezogenen Abwehrspielern. Für fünf Minuten sorgte die für chaotische Zustände im Immenstädter Spiel. Weilheim glich zum 17:17 aus. Dann entschlüsselten die wurfgewaltigen Oldies aus dem Allgäu die Wilderei. „Sobald du dich auf die Verteidigung einstellst, kriegst du freie Würfe“, erklärte Beinlich. Immenstadt verwertete die Chancen direkt vor dem TSV-Tor, sicherte den Sieg und ließ den Ersatz-Coach mit einer entscheidenden Erkenntnis zurück: „Gegen die Oberen gewinnst du nicht, wenn du keine hundert Prozent Leistung bringst.“

Weilheims Spieler und Tore: M. Krause (5), Wichtl (4), Schwendele (3/2 Siebenmeter), Osthöver (3), Bauer (2/2 Siebenmeter), Isert (2), Wimmer (1), Felix Becker (1), Theimer, Rohmer, Killing, Langnickel; Torhüter Blacek, Böhm

Andreas Mayr, www.merkur.de, 03.12.2019