28.11.2019 H1: Starke Defensive Basis für Sieg gegen Landsberg

Was eine sattelfeste Defensive bewirken kann, erfuhren die Handballer des TSV Weilheim in ihrem Bezirksoberliga-Heimspiel gegen den TSV Landsberg.

Der Alarmknopf im Handball ist komischerweise grün gefärbt. Nicht rot, wie man vermuten würde. Dirk Meier, Trainer des TSV Landsberg, hob sein grünes Auszeit-Kärtchen bereits nach vier Minuten von der Bank auf, steckte es in seine Hosentasche und wanderte ein paar Minuten später zum Schiedsgericht. Alarmstufe grün war erreicht. Meier suchte verzweifelt nach einem Weg an der Weilheimer Abwehr vorbei. Nun ja, er hat keinen entdeckt. 19 Gegentore in 60 Minuten sind die höchste Auszeichnung, die eine Verteidigung im Männer-Handball erhalten kann. Gerhard Becker war es recht, dass seine Weilheimer Männer eine Partie einmal nur aufgrund ihrer Defensive gewonnen hatten. Der Trainer findet: „Verteidigen ist nicht so lukrativ. Es werden immer nur die erwähnt, die zehn Tore werfen.“

Um diesen Punkt früh abzuhaken: Florian Theimer, Felix Becker, Moritz Krause, Maximilian Osthöver und einige weitere gehörten in dieser Bezirksoberliga-Partie zwar nicht zu den besten Werfern, aber sie zimmerten den Grundstock des 27:19 (15:8)-Erfolgs. Normalerweise verzichtet Coach Becker auf die ständige Tauscherei zwischen Angriff und Verteidigung. Wechseln die Handballer zu spät, schafft das Unordnung. „Ich bin kein großer Freund davon“, betonte der Coach. Aber gegen Landsberg hielt er das für ein probates Mittel. Es ging darum, Nico Beinlich zu schonen. Der Rückraum-Spieler sollte sich nicht bei der Drecksarbeit verausgaben, wo Weilheim doch seine Fähigkeiten als Spielgestalter höher schätzt. Die Gäste boten mit Alexander Schwarz einen Koloss am Kreis auf, über zwei Meter lang und deutlich über 100 Kilo schwer. „Ein Tier“, wie Becker sagt. Als Dompteure verpflichtete er seinen Sohn Felix Becker sowie Osthöver. „Dieses Duell war pari.“ Gerade in der Anfangsphase war das beeindruckend anzusehen, an wie viele Würfe der Mittelblock mit seinen Fingerspitzen noch herankam. Torwart Benedikt Blacek krallte sich den ganzen Rest – inklusive zweier Siebenmeter. Deshalb beschlich Trainer Becker auch nie das Gefühl, „dass es in die Hosen gehen könnte“.

Der Wunsch nach mehr gehört dazu. Dominanter hätte sich Becker seine Mannschaft im Angriff vorgestellt. Es kam ihm vor, als würden seine Handballer in Fünf-Minuten-Phasen den Schalter hin- und herlegen. „Gutes und schlechtes Gesicht“ wechselten sich beständig ab. In den ansehnlichen Phasen schaltete Weilheim rasch um. Wenn es nicht im Gegenstoß klappte, war der Ball beim Rückraum-Duo Beinlich/Lukas Schwendele in besten Händen. Die beiden warfen zusammen elf Tore und assistierten bei einem großen Teil der übrigen Treffer.

ie weniger schönen Minuten prägten technische Mängel und Fehlwürfe vor dem Tor. Nach vier Partien zum Einüben gegen die schwächeren Vereine beginnen kommenden Sonntag gegen Tabellennachbar Immenstadt die Wochen der Herausforderung. Dann zeigt sich, wie gut diese Abwehr tatsächlich funktioniert.

Weilheims Spieler und ihre Tore: Beinlich (6/1 Siebenmeter), Schwendele (5/1), Wichtl (4), Bauer (3), Wimmer (3), Osthöver (3), Becker (2), Isert (1), Theimer, M. Krause, Feistl, J. Krause, Langnickel; Torhüter: Blacek

Andreas Mayr, 26.11.19, www.merkur.de