21.11.2019 H1: Weilheim setzt sich schon früh ab

Es hat für die Handballer des TSV Weilheim mit Sicherheit schon schwierigere Aufgaben gegeben als das Bezirksoberliga-Gastspiel beim TSV Herrsching II. Sie mussten nicht annähernd an ihre Leistungsgrenze gehen, um sich zu behaupten.

Die armen Herrschinger. Nicht einmal die Kreativitäts-Punkte überließen ihnen die Weilheimer Handballer. Während die Gastgeber vom Ammersee ein gewöhnliches Schlagzeug in die Halle karrten, hatten sich die Gäste Trommeln aus Plastikkanistern gebastelt. 1 A-Recycling – und ganz schön laut. Die jungen Burschen mit ihren vier Trommeln übertönten die zwei Mädchen am Schlagzeug. Der Block der Roten, etwa 50 Gäste-Anhänger, folgte ihnen und klatschte mit. So etwas erlebt man sonst selten in der Bezirksoberliga. „Die Zuschauer haben wir extra aktiviert“, sagte Trainer Gerhard Becker. War ja ein Derby. So viele Duelle mit Lokalkolorit bestreitet der TSV nicht. Die zweite Mannschaft von Herrsching, hoffentlich Murnau in der nächsten Saison. Das war’s aber auch schon.

Auf das Spielfeld übertrug sich die Atmosphäre aber zu keinem Zeitpunkt. Kein Wortgefecht, keine Rauferei, nicht einmal eine strittige Szene heizte die Stimmung auf. Brav gingen die Teams miteinander um, was garantiert an der sportlichen Situation lag. Weilheim schlug Herrsching II locker mit 29:23 (17:10). Den Derby-Aspekt einmal ausgeklammert: Herrschings Zweite ist Letzter, ohne Sieg und mit dem statistisch schlechtesten Angriff. Weilheim trat auf wie ein Team, das sich gegen ein Kellerkind nicht auf Abenteuer einlässt. Nach einer Viertelstunde stand es schon 11:6. Elf Tore in 15 Minuten, darunter einige traumhaft schöne Treffer, besser kann Weilheim kaum spielen. „Die Jungs waren heiß, aber auch konzentriert“, lobte Coach Becker.

Keine Mannschaft in dieser Liga hält jedoch so ein Niveau über 60 Minuten durch. Mit der deutlichen Führung schlichen sich ein paar Nachlässigkeiten in der Abwehr ein. Die Trainer verziehen es ihren Handballern gerne. Wie soll man denn seinem Kopf andrehen, weiter alles zu geben, wenn die Tore ohne Mühen fallen?

Im Endeffekt war Trainer Becker dankbar für die Partie. Nicht oft hat er in der äußerst umkämpften Liga die Chance, alle Mäuler zu füttern und jeden mit ausreichend Spielzeit zu versorgen. Die Jugend-Fraktion tobte sich aus. Markus Wichtl, der noch in der A-Jugend spielen darf, warb einmal mehr für sich. Einen Rechtsaußen mit seiner Größe, seiner Wurfkraft, seiner Trefferquote und seiner Sprungkraft findet man eigentlich in ganz anderen Ligen. „Er ist eine Granate“, lobt ihn sein Coach. Es störte nicht einmal, dass Top-Mann Nicolas Beinlich nur zwei Tore gelangen. Die anderen glichen das aus. Rückraum-Kollege Lukas Schwendele überragte mit zehn Treffern. Becker freute sich über die Ausgeglichenheit seiner Mannschaft. „Wir sind unberechenbar. Du weißt nie, wer heute die Tore macht.“ Einzig auf der Torwart-Position fehlt den Weilheimern ein Ersatzmann. Benedikt Blacek spürt schön langsam die Dauer-Belastung von Training und 60 Minuten Spiel. In Herrsching hielt er aber wieder exzellent, weshalb sein Coach auch von einem „rundum gelungenen Spiel“ sprach. Nach dem vierten Sieg in Folge ist Weilheim jetzt Tabellendritter.

Weilheims Spieler und ihre Tore: Schwendele (10/2 Siebenmeter), Wichtl (5), Osthöver (3), Isert (2), Langnickel (2), Beinlich (2, Bauer (1), Wimmer (1), Rohmer (1), Krause (1), F. Becker (1), Krause, Torhüter: Blacek.

Andreas Mayr, 18.11.2019, www.merkur.de